Interview zum deutsch-chinesischen Studienprogramm: „Unsere Erfolgsfaktoren heißen Kooperation und Konzeption“

2003 startete die FOM Hochschule den ersten Kooperationsstudiengang mit der Shanxi University of Finance & Economics in Taiyuan. Seitdem haben 2.800 chinesische Studierende ihren Bachelor- oder Master-Abschluss an der FOM gemacht, und die Hochschule hat das Projekt in der FOM German-Sino School of Business & Technology verankert. Beim 1. Chinesischen Alumni-Treffen in Essen war am 22. März Gelegenheit, die vergangenen 11 Jahre Revue passieren zu lassen: Im Interview berichten drei Absolventen, FOM Rektor Prof. Dr. Burghard Hermeier und Lin Liu, Direktorin der German-Sino School, über Ihre Erfahrungen.

Warum haben Sie sich für das Kooperationsstudium an der FOM Hochschule entschieden?

Jia Yue: Ich bin ein offener Mensch und habe ein wirklich großes Interesse an Fremdsprachen. Durch die Teilnahme am Kooperationsprogramm konnte ich nach meinem Bachelor-Studium in Deutschland studieren. Dabei habe ich die deutsche Kultur und besonders Europa kennengelernt, habe meine Sprachkompetenzen und auch meine Fachkenntnisse ausgebaut. Dadurch ist mir der Berufseinstieg bei einem weltweit tätigen Chemiekonzern gelungen.

Deutsch ist keine so einfache Sprache. Wo lagen Ihre größten Schwierigkeiten?

Jia Yue: Aller Anfang ist bekanntermaßen schwer. Aber inzwischen kann jeder Schüler und jeder Student in China Englisch. Das ist also kein Wettbewerbsvorteil mehr auf dem Arbeitsmarkt. Ich habe durch Zufall einen deutschen Vortrag gehört, der mein Interesse geweckt hat. Daraufhin habe ich entschieden, zusätzlich Deutsch zu lernen. Und wenn man fleißig ist, kann man das auch schaffen.

Haben Sie einen Lerntipp parat?

Jia Yue: Man muss offen und kommunikativ sein. Besonders chinesische Studenten bleiben gerne in ihrer Gruppe und kommen ungern mit den Leuten vor Ort in Kontakt. Um aber eine neue Sprache zu lernen, ist es wichtig, mit anderen zu sprechen.

Frau Sun, Sie sind mittlerweile für einen Konzern im Ruhrgebiet tätig. Welche Tipps haben Sie für chinesische FOM Studierende, die ebenfalls berufliche Erfolge erzielen möchten?

Zhuolin Sun: Zunächst sollte man im Studium eine sehr gute Note bekommen bzw. anstreben. Nicht unbedingt eine 1,0, aber jede Prüfung sollte sehr gut vorbereitet sein. Noch wichtiger ist aber, dass man während des Studiums auch Praxiserfahrungen sammeln. Das kann durch ein Praktikum oder eine Stelle als Werksstudent erreicht werden. Zudem sollte man sich bereits während des Studiums Gedanken machen, in welche Richtung man sich in Zukunft bewegen möchte. Wir konnten an der FOM zum Beispiel verschiedene Vertiefungsrichtungen wählen. Damals habe ich mir schon Gedanken gemacht, wo ich am liebsten arbeiten will.

Herr Xu, Sie arbeiten inzwischen in der deutschen Niederlassung eines US-amerikanischen Unternehmens. Wie unterscheidet sich der chinesische Berufsalltag von dem in Deutschland?

Penghao Xu: Das kann man nicht so einfach sagen. Es sind schließlich zwei verschiedene Kulturen. Ein Beispiel: Die deutschen Kollegen können im Urlaub oder am Wochenende zu 100 Prozent ihre Freizeit genießen. Meine chinesischen Kollegen sind mehr Stress ausgesetzt. Sie können im Urlaub oder am Wochenende ihr Handy nicht ausschalten.

Spielen Sie mit dem Gedanken, wieder zurück nach China zu gehen oder wollen Sie in Deutschland bleiben?

Penghao Xu: Meine Karriere hat in Deutschland angefangen, und ich möchte mich hier zunächst fachlich weiterentwickeln, um mehr Verantwortung zu übernehmen. Aber in zwei Jahren will ich zurück nach China gehen, um dort eine Familie zu gründen.

Prof. Dr. Hermeier, dieses Kooperationsprogramm ist inzwischen eines der größten Europas. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Burghard Hermeier: In der Kooperation und der Konzeption. Kooperation ist wichtig, weil wir ohne starke Kooperationspartner auf Hochschulseite nie in China hätten starten können. Das Konzept wiederum ist so aufgebaut, dass jeder Partner seine Stärke einbringt und ein eigenes Programm durchführt. Und dabei geht es nicht darum, Inhalte des chinesischen Studiums anzuerkennen und umgekehrt. Das Besondere ist, dass die deutsche Sprache einen extrem hohen Stellenwert hat und wir unser komplettes Programm auf Deutsch durchführen. Zur Unterstützung können die Studierenden die Vorlesungsinhalte systematisch mit Tutoren nacharbeiten. Wir setzen sowohl deutsche Dozenten ein als auch deutsche Absolventen oder Studierende aus höheren Semestern. Sie leisten in China wichtige Arbeit und gehen das in den Vorlesungen Besprochene in kleinen Übungen und in kleineren Gruppen noch ein Mal durch.

Wie wichtig ist das Alumni-Netzwerk?

Burghard Hermeier: Ein Alumni-Netzwerk ist extrem wichtig. Alle, die mit der Hochschule zu tun haben, können davon profitieren. Für die Lehre ist es spannend, Kontakt zu Absolventen zu halten, um vielleicht den ein oder anderen zu gewinnen, um Beiträge in das Vorlesungsprogramm einzubringen oder Firmenexkursionen vorzuschlagen. Die Studierenden selbst profitieren, weil sie durch dieses Netzwerk besseren Zugang haben zu Praktika und Jobangeboten haben.

Last but not least gewinnen wir in der Hochschulentwicklung, weil die Rückmeldungen unserer Absolventen natürlich die besten Qualitätsindikatoren sind. Verbesserungshinweise helfen bei der Weiterentwicklung von Studiengängen. Insofern haben wir großes Interesse daran, die Alumni-Arbeit weiter auszubauen.

Frau Liu, die FOM German-Sino School of Business & Technology kümmert sich seit 12 Jahren um die Ausbildung der chinesischen Studierenden und hat mehr als 2.800 Bachelor- und Master-Absolventen. Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Bedeutung des Alumni Netzwerkes?

Lin Liu: Das Netzwerk verfolgt verschiedene Ziele. Es ermöglicht den fachlichen und beruflichen Austausch der Alumni untereinander und fördert gleichzeitig deren Bindung an die FOM Hochschule. Durch den intensiven Kontakt zu unseren Absolventen können wir als Hochschule nur profitieren – und umgekehrt.

Besonders wichtig ist, dass wir durch das Netzwerk eine Plattform schaffen, auf der sich unsere Absolventen auch über ihr Studium hinaus austauschen und vernetzen können. Schließlich haben sie einen ähnlichen Bildungshintergrund und sind verbunden durch die gemeinsame Herausforderung, im deutsch-chinesischen Wirtschaftsumfeld Fuß zu fassen. Die positiven Rückmeldungen und die intensiven Gespräche im Rahmen der ersten Alumni-Veranstaltung in Deutschland haben gezeigt, dass dieses Konzept aufgeht.

Radio Essen hat im Rahmen des Wirtschaftsmagazins Radio ECO über das Alumni-Treffen in Essen berichtet. Die beiden Beiträge werden gesendet am Montag, 7. April zwischen 21 und 22 Uhr. 

Impressionen

Ansprechpartner

Lin Liu
Lin Liu
 M.A.
Direktorin der German-Sino School of Business & Technology
+49 201 81004-418
Axel Müller
Prof. Dr.
Axel Müller
Studienleitung BBA Essen
+49 201 81004 327

Broschüre der FOM SINO School

Deutsch-chinesisch-englischsprachiger Führungsnachwuchs

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Das China-Programm der FOM Hochschule

China Dozenten- und Tutoren-Workshop an der FOM