Prof. Andreas Oberheitmann: „Nach Bankenkrise droht Krise der Stromerzeuger“

„Deutschland hat eine besondere Verantwortung für das Gelingen der globalen Energiewende, denn die deutsche Energiewende wird international als Vorbild angesehen.“ Dieses Fazit zieht Prof. Andreas Oberheitmann, Dozent an der FOM Hochschule und Gastwissenschaftler im RWI in Essen, nach einer internationalen Konferenz in Hongkong, deren Teilnehmer sich mit den „Herausforderungen für die Energiewirtschaft“ auseinandergesetzt haben. Prof. Oberheitmann, der für die FOM German-Sino School of Business & Technology regelmäßig an den chinesischen Partnerhochschulen der FOM im Einsatz ist, war an der Organisation und Ausarbeitung der Konferenz mit Teilnehmern aus zehn Ländern beteiligt. Gefördert und durchgeführt wurde sie von der Konrad Adenauer Stiftung.

Die Stromwirtschaft befindet sich seit den 1990er Jahren weltweit in einem ständigen Wandel. Stand anfangs die Umstrukturierung der Industrie durch Kommerzialisierung und Privatisierung sowie strukturelle Reformen im Vordergrund, hat in den letzten Jahren die Erschließung erneuerbarer Energiequellen die öffentliche Diskussion beherrscht. „Dabei geht es neben der Energiesicherheit vor allem um die Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase“, so Prof. Oberheitmann. „An der Strombörse sieht es aktuell allerdings so aus, dass aufgrund der niedrigen Preise für CO2-Zertifikate und des niedrigen Kohlepreises Strom aus Kraftwerken, die mit Gas betrieben werden, zu Gunsten von Strom aus Braun- und Steinkohlkraftwerken verdrängt wird. Das ist klimapolitisch kontraproduktiv.“

Die Folgen vor allem für Deutschland: Die Investitionen der Stromproduzenten in effiziente Gaskraftwerke amortisieren sich zu langsam. In einigen Ländern werden gar hocheffiziente Gaskraftwerke abgestellt, da deren Stromgestehungskosten – also Kosten, die bei der Umwandlung der Primärenergie in elektrischen Strom entstehen – im Vergleich zu hoch sind.

Zu berücksichtigen ist auch, dass mit Blick auf eine Energiewende die Voraussetzungen sowie technischen und gesellschaftlichen Herausforderungen von Land zu Land verschieden sind. Entsprechend unterschiedliche Positionen vertraten die Teilnehmer der Konferenz, die neben Deutschland aus China, Süd-Korea, Indien, Indonesien, Singapur, Schweden, Großbritannien, Australien und den USA angereist waren.

„Länder mit geringen fossilen Energiereserven, wie Süd-Korea oder Japan, haben allein aus wirtschaftlichen Gründen derzeit eine geringe Neigung, ihr Energiesystem zu dekarbonisieren“, so Prof. Oberheitmann. „Länder in Europa mit hohem Anteil an Wasserkraft, wie Schweden, Norwegen oder Dänemark, haben es hier wesentlich leichter.“ Wieder anders ist die Situation in Entwicklungs- und Schwellenländern wie Indonesien, Indien oder China. Hier besteht ein Dilemma zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Klimaschutz. „China entwickelt zwar sowohl seinen Markt für erneuerbare Energien als auch – derzeit weitgehend exportorientiert – die Produktion von erneuerbarer Technologie, insbesondere Fotovoltaik“, so Prof. Oberheitmann. „An den großflächigen Ausbau erneuerbarer Energien ist in China aktuell dennoch nicht zu denken, weil die energiepolitische Rahmensetzung und damit die Netzintegration erneuerbarer Energien nicht effizient sind.“

Einig waren sich die Konferenzteilnehmer vor allem in einem Punkt: Global betrachtet verändern sich durch die Integration erneuerbarer Energien die Renditen des Energiesystems, insbesondere wenn nur ein Teil des dezentral erzeugten Stroms in das öffentliche Netz eingespeist wird. Da die Einspeisevergütung für erneuerbare Energien niedriger ist als der Strompreis, wird der dezentral eigenerzeugte Strom (insbesondere mit Solarpanels) zunächst selbst verbraucht und nur der Rest in das öffentliche Netz eingespeist. Dies führt zu weiter sinkenden Umsätzen der Stromproduzenten. Insbesondere für die Produzenten von Strom steigen die Risiken aufgrund sinkender Umsätze und eines abnehmenden Beitrags der Stromkunden an den Stromübertragungskosten. „Nach der Bankenkrise könnte die nächste Krise die der Stromerzeuger werden. Auch hier liegen die Konsequenzen auf der Hand“, so Prof. Oberheitmann: „Die höheren Kosten der Elektrizitätsversorgung werden direkt an die Konsumenten weitergereicht – sei es in Form steigender Energiepreise oder steigender Verbrauchsteuern. Steigende Endenergiepreise bei fallenden Großhandelspreisen sind aktuell nicht nur in Deutschland, sondern auch in Australien und den USA zu verzeichnen.“

Die Ergebnisse der Konferenz werden in Form politischer Empfehlungen und eines akademischen Sammelbandes veröffentlicht.

FOM German-Sino School of Business & Technology

Die FOM German-Sino School of Business & Technology organisiert seit 2002 die China-Programme der FOM Hochschule und betreut derzeit rund 2000 chinesische Studierende sowohl in China als auch in Deutschland. Aktuell baut die FOM German-Sino School ihre Aktivitäten im Forschungsbereich aus. Nach der Konferenz in Hongkong ist derzeit eine gemeinsame Forschungstagung mit der Partnerhochschule Shandong Agricultural University in Tai'an, China, in Vorbereitung, die voraussichtlich Ende Mai in China stattfinden wird.

Ansprechpartner

Lin Liu
Lin Liu
 M.A.
Direktorin der German-Sino School of Business & Technology
+49 201 81004-418
Axel Müller
Prof. Dr.
Axel Müller
Studienleitung BBA Essen
+49 201 81004 327

Broschüre der FOM SINO School

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